QIGONG UND HEILUNG

Chan Mi Qigong als Hilfe für Frauen

von Petra Hinterthür

20. Oktober 1997 (Artikel für das DAO-Heft 1/98)

Vor 21 Jahren lebte ich zwischen dem europäischen und asiatischen Kontinent für 2 Jahre in Frankfurt. Ich erwartete mein erstes und einziges Kind. Während der ganzen Schwangerschaft ging ich gerne im warmen Wasser schwimmen und zum Tanzen.
Noch zwei Nächte vor der Geburt tanzte ich die ganze Nacht hindurch und fühlte mich dabei frisch und munter. Natürlich tanzte ich nicht wie eine Wilde, sondern drehte hauptsächlich mein Becken und damit meine Wirbelsäule in sanfter und ruhiger Art. Es war ein Schwingen und Schaukeln, ein einziges Durchlässigmachen des ganzen Körpers. 31 Stunden später wurde mein Sohn in 1,5 Stunden nach Betreten der Entbindungsstation geboren! Er kam schwingend- schwimmend, wie ein kleiner Delphin, zur Welt - und er tanzt und schwimmt heute leidenschaftlich gerne.

Vor 21 Jahren wusste ich noch nichts von Qigong. Ich tanzte unbewusst so, wie die Frauen aller Urvölker und auch heute noch in vielen Ländern sich bewegen: ich schwang meinen Bauch in sanfter Weise und drehte mich dabei im Kreise. Ich tanzte, ohne es zu wissen, den Qigong-Tanz oder präziser: den Chan Mi Qigong-Tanz, die chinesische Version des Bauchtanzes.

Was ist Chan Mi Qigong?
Wie unterscheidet es sich von anderen Qigongg-Formen? Warum ist es besonders für Frauen gut?

"Chan" bedeutet "Zen" und "mi" heisst "geheim" und kann mit GEHEIMES ZEN-QIGONG übersetzt werden. Nach Aussagen von Meister Liu Han Wen, dem offiziellen Stammhalter der Chan Mi Schule und des Leiters des Chan Mi Qigong Forschungszentrums in Dandong, entstand das Chan Mi Qigong vor etwa 5.000 Jahren im Himalaya und kam über 3 verschiedene Wege nach China. Der eine Weg war übers Meer und über die Provinz Guandong (Kanton), der andere führte über die Seidenstrasse und die ehemalige Hauptstadt Xian, und die dritte Passage war über Osttibet. Dies Qigong galt als eine sehr geheime Übung auf hoher Stufe und mit grosser Wirkung. Sie soll auch nur geheim, quasi im Untergrund, praktiziert worden sein. Es sollen inzwischen etwa 4 Millionen Menschen in 13 Ländern diese besondere Qigong-Form üben. Es unterscheidet sich von vielen anderen Qigong-Formen hauptsächlich in 4 Dingen

1. Bei allen Formen werden Wirbelsäule und alle Gelenke leicht bewegt und somit der gesamte Körper mit einbezogen Die Wirbelsäule gilt als Hauptachse des menschlichen Körpers. Mit der Wirbelsäule steht, fällt, krümmt sich oder bricht der Mensch zusammen. Man kann die Wirbelsäule auch als energetisch-göttliche Achse zwischen Himmel und Erde bezeichnen, als Energie-Kanal, in dem wundersame Dinge geschehen. Diese kontinuierlichen Bewegungen führen zu einer verstärkten Beweglichkeit und Geschmeidigkeit der Wirbelsäule und der Gelenke und können bei allen Übenden Rücken-, Kopf- oder Rheumaschmerzen, emotionale Blockaden, Beschwerden in den Sinnesorganen und des Magen-Darm-Traktes und andere chronische Krankheiten lindern oder heilen.

2. Die Fuss-Spitzen werden leicht nach aussen gestellt. Ein Qigong-Meister sagte mir einmal, dass dies bei buddhistischen Qigong-Übungen üblich sei. Bei den daoistischen Übungen stehen die Füsse eher parallel oder mit den Fersen nach aussen. Symbolisch kann man es so betrachten, dass man nicht nur sein Herz öffnet, sondern sich mit dem ganzen Körper, bei den Füssen angefangen, dem Meister oder der höheren, kosmischen Kraft öffnet. Das Öffnen der Füsse unterstützt auch das Öffnen des Michu-Bereiches.

3. Es wird grosser Wert auf die Entspannung und das Öffnen des Michu-Bereichs und des 3. Auges gelegt Das Michu umfasst den Damm (inkl. den Dammpunkt Huiyin), den ganzen Charmebereich, den oberen Bereich der Oberschenkel und geht bis zur Blase hoch. Er wird als geheimer Ort mit unendlicher Tiefe bezeichnet, in dem geheime Kräfte gebildet werden. Zu diesen geheimen Kräften kann man die Sexual- bzw. Schöpfungs-Energie und die Kundalini-Energie zählen. Nach buddhistisch-daoistischer Auffassung befindet sich die "Erdwurzel" im Michu, d.h. die Yin-Kraft und das ihr gleichzeitig innewohnende Yang im Yin.

Die Leser dieses Artikels kennen wahrscheinlich alle das Yin-Yang-Symbol und wir wissen, dass das eine Element ohne das andere nicht existieren mag. Um es kurz zu erläutern: Die Erde ist dem Yin zugeordnet. Sie enthält aber auch Magma im Erdinnern, das zum Yang-Bereich gehört. Dies nennt man das Yang im Yin. Auf der Erde (Yin) befinden sich Berge (Yang); in den Flüssen (Yin) liegen Steine (Yang). Alle Elemente ergänzen sich zu einem harmonischen Miteinander, wie es uns die Natur wundervoll vorlebt. Die nährende Mutter Erde, die uns im Strom des Wassers mitfliessen läßt, spiegelt sich wider im Michu. Die "Himmelswurzel" ist überall. Wir sind umgeben von der Kraft des Himmels und der unendlichen Weite des Kosmos. Ist der Himmel nur Yang? Nein. Am Himmel gibt es z.B. Regenwolken und den Mond, beide gehören zum Yin. Man nennt dies das Yin im Yang. Es gibt die Sterne und den Wind, beide sind sowohl Yin als auch Yang zugeordnet. Die Erde bzw. die Erdwurzel bietet den Samen und die Himmelswurzel bringt alles in Bewegung. Was ist Yin, was ist Yang? Es ist letztlich unentschieden und verliert im Hinblick auf das kosmologische Gesamtbild an Bedeutung.

Zwischen dem Michu und dem 3. Auge, dem Bereich der Transformation, besteht eine verborgene Verbindung, die nur nach längerem Üben spürbar oder sichtbar wird. Es ist ein sehr feiner Lichtkanal, der die Erd- und Himmelswurzel mit ihren immensen energetisch-leuchtenden Kräften in sich vereint und zu tiefen Einsichten führen kann.

4. Im Chan Mi Qigong arbeitet man im traditionellen Sinne nicht mit Meridianen. Es werden Körper, Geist und Seele als Wesens- und Sinn-Einheit angesprochen. Man gibt verbrauchtes, graues Qi (die energetische Urkaft) ab, nimmt frisches Qi auf, sendet sein eigenes Qi aus, holt es angereichert wieder herein und verbindet sich mit der Erd- und Himmelswurzel.

Warum ist Chan Mi Qigong besonders für Frauen gut?

Das geheime Wissen um das Chan Mi Qigong wie auch um andere Qigong-Methoden, wurde im alten China bis ins 20. Jahrhundert vom Meister zum Schüler, d.h. fast immer von Mann zu Mann, übertragen. Bis auf wenige Ausnahmen spielten Frauen in der Entwicklung und Übertragung oder Geschichtsschreibung des Qigong keine oder eine unbedeutende Rolle. Auch die Schriften über die Chan Mi Qigong-Übungen wurden von einem Mann, Meister Liu Han Wen, in den siebziger Jahren zum erstenmal offiziell gefertigt und dann sukzessiv direkt ins Deutsche übersetzt.

Doch was für Erfahrungen machen wir hier im Westen mit all diesen fernöstlichen, exotisch-mysteriösen Heilmethoden? Und welche Erfahrungen machen speziell wir Frauen?

Fast alle daoistischen Texte über Qigong sind von Männern verfasst. Die Empfehlungen an östliche und westliche Frauen stammen fast immer von asiatischen Männern.
In alten Texten steht z.B., dass Frauen während der Menstruation kein Qigong üben sollten. Ich habe da selber und durch Gespräche mit anderen Frauen ganz andere Erfahrungen gemacht. Die Blutungen können natürlich bei einigen Frauen durch Qigong-Übungen und besonders durch das Einsammeln im unteren Dantian stärker werden, besonders bei Anfängerinnen, doch fühlen sich andere Frauen gerade durch das Qigong-Üben in der Zeit der Menses im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert, beschwingt und vom prämenstruellen Stau befreit.

Ich empfehle den Frauen allerdings, während der Periode zum Abschluss einer Übung nicht im Unterleib (unteres Dantian) das Qi einzusammeln, sondern entweder im Frauen-Dan(tian), das in der Mitte zwischen dem unteren und mittleren Dantian im Bereich des Sonnengeflechts liegt, oder im Brustbereich (mittleres Dantian). Das mittlere Dantian wird u.a. dem Herzen und dem Feuer zugesprochen. Das Herz regiert und reguliert das Blut und den Blutkreislauf, ist dem Yin und somit dem Weiblichen zugeordnet. Wenn Frauen dies beherzigen werden nur wenige Probleme mit den Praktiken haben. Es hängt auch ein wenig vom regelmässigen und achtsamen Üben ab.

Grundsätzlich können Frauen im Frauen-Dan oder im mittleren Dantian das Qi einsammeln, ob sie ihre Menses haben oder nicht. Eine weitere Empfehlung von chinesischen Meistern an Frauen ist, dass sie während der Schwangerschaft kein Qigong machen sollten, und wenn überhaupt, dann nur bis zum 3. Monat.

Ich hatte bis jetzt einige schwangere Frauen in meinen Gruppen, die bis zur Geburt Qigong praktizierten, sogar die 6. Form des Fliegenden Kranichs (!), und die gesunde Babies zur Welt brachten. Was kann einem Baby Schöneres passieren, als wenn die Mutter es durch sanfte, liebevolle Qigong-Bewegungen ständig wiegt? Ausserdem werden alle positiven Gefühle und Glücksmomente und die Qi-Kraft der Mutter auf das Baby übertragen. Konnten sich das die alten Meister im ehrwürdigen China überhaupt vorstellen? Es ist wichtig, dass die Frauen ihre eigenen Erfahrungen mit den Übungen in allen Situationen machen, sensibel in sich hineinspüren und dann für sich persönlich entscheiden.

Bei starker Unruhe, neuro-vegetativ-neurotischen Beschwerden empfehle ich nur das Stille Qigong, womöglich im Liegen, auf keinen Fall Schütteln, Springen oder ausladende Bewegungen. Eine andere Möglichkeit gibt es für schwangere Frauen, Qigong-Übungen ausserhalb des Körpers zu machen. Dies erfordert natürlich ein bisschen Übung und Erfahrung im Qigong.

Wie bereits erwähnt, wird in der traditionellen Chan Mi Qigong-Schule nicht mit Meridianen gearbeitet. Meister Liu Han Wen äusserte jedoch bei seinem Qigong-Seminar in Hamburg im Dezember 1996 den Wunsch, dass wir, im Westen und auch in China, nicht auf dem bisherigen Wissensstand stehen bleiben dürfen, sondern auch im Qigong weiterforschen sollten.

Alles Alte muss neu überdacht, neue Wege gefunden und auch moderne Hilfsmittel zuhilfe genommen werden. Aus diesem Grunde hat er das Chan-Mi-Qigong-Forschungs-Zentrum in Dandong im Sommer 1997 gegründet. Liu Han Wen hat ausserdem in den achtziger Jahren ein Gerät entwickelt, das - durch Laute im Kehlkopfbereich (Himmelsleiter oder 12-stöckige Pagode) erzeugte - Frequenzen wiedergibt, die die Funktionskreise der einzelnen Organe wieder in eine gesunde Schwingung versetzt.

Das Erzeugen von Lauten im Kehlkopfbereich ist ein wichtiger Bestandteil von Chan-Mi- Qigong-Übungen. Diese Laute haben nichts mit der Übung "Die 6 Heilenden Laute" zu tun. Vor einiger Zeit las ich im Urlaub das empfehlenswerte Buch "Die 8 außerordentlichen Gefäße in der traditionellen chinesischen Medizin" (B. Kirschbaum) und wiederholte täglich alle Chan-Mi- Qigong-Übungen, die ich die letzten 6 Jahre gelernt hatte. Ich entdeckte einige interessante Querverbindungen zwischen diesem Qigong und drei ausserordentlichen Gefäßen, nämlich dem Gürtelgefäss, Daimai, dem Penetrations- bzw. Durchdringungs-Gefäß, Chongmai, und dem Konzeptionsgefäß, Renmai.
Es sind Meridiane, denen in der Vergangenheit weniger Beachtung geschenkt wurde. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen,warum ich mich schon damals durch meine kreisend-schwingenden Chan- Mi-Qigong-ähnlichen Tanzbewegungen so gesund, stark und glücklich fühlte und meine Schwangerschaft so gut verlaufen war. Meine Energie-Kanäle hatten sich dabei wunderbar geöffnet, und besonders der Daimai, Chongmai und Renmai.

Warum sollten besonders Frauen die Meridiane Daimai, Chongmai und Renmai durchlässig machen?

Der Daimai (Gürtelgefäß), weil er wie ein Gürtel um die Taille verläuft, ist der einzige horizontal verlaufende Energie-Kanal im menschlichen Körper und stellt die Verbindung zwischen dem oberen und unteren Teil des Körpers dar, die Verbindung zwischen Yang (oben) und Yin (unten). Er versorgt Hüfte, Becken, Taille und die Geschlechtsorgane mit Essenz-Qi Jing) und beeinflusst, durch seine Verbindung zum Gallenblasen-Meridian, auch den Bereich der weiblichen Brust.

Das weibliche Becken ist naturgegeben der Ort, der Urgrund der Fortpflanzung, des Wachstums und des Gebärens. Es ist das Sinnbild der Weiblichkeit. Durch seinen horizontalen Verlauf umfasst der Daimai alle durch den Rumpf verlaufenden vertikalen Meridiane der Nieren, Gallenblase, Leber, Milz, Blase und des Magens. Durch seinen Verlauf über den Lendenwirbelbereich hat er einen besonderen Einfluss auf die Nieren und die wiederum auf den gesamten Unterleib.

Ist der Daimai in Blut-Leere, man kann ihn dann auch als "ausgeleiert" bezeichnen, kommt es zu Senkungen u.a. der Gebärmutter, niedrigem Blutdruck, vaginalem Ausfluss, Ödeme (Wasseransammlungen) und zu sogenanntem "Leere-Schmerz" wie Arthrose im Hüftbereich, Knie- oder Fussgelenken.

Ist der Daimai in Fülle, d.h. ist er zu "gespannt" oder auch "verspannt", führt es zu folgenden anderen Symptomen: Blasenentzündungen - durch ihre kurze Harnleiter sind Frauen hier besonders anfällig - prämenstruelle Symptome wie z.B. Schmerzen in der Brust oder unregelmässige Periodenblutungen, Pilze im Darm, Genital-Herpes, Kopfschmerzen, chronische Nacken- und Rückenverspannungen.

Eine besonders bei Frauen häufig anzutreffende Ursache ist lange heruntergeschluckter Ärger und Wut und versteckte Aggression. Um den Daimai zu öffnen, sind alle Drehbewegungen im Chan Mi Qigong besonders gut geeignet, d.h. die Drehbewegung (Niu Dong) der Grundform (Zhu Ji Gong), die Übungen zur Regulierung des Blutdrucks (Jiang Ya Gong) und Tu Na Qi Fa 1 und 2, eine Übung zur Aufnahme und Abgabe von Qi.

Selbstverständlich sind auch Drehbewegungen anderer Qigong-Formen und natürlich Bauchtanz sehr gut. Gynäkologische Erkrankungen weisen immer u.a. auf eine Störung im Daimai, Renmai und Chongmai hin. Alle drei Gefäße stehen im engen Kontakt zum Uterus.

Über den Ursprung des Chongmai gehen die Meinungen auseinander. Er beginnt seinen Verlauf entweder in den Nieren oder im Uterus und zieht dann in zwei Bahnen durch den Körper - die eine Bahn verläuft die Wirbelsäule entlang und die andere bedient sich sowohl des Renmai als auch des Nieren-Meridians, die beide durch den Rumpf nach oben verlaufen. Chongmai und Renmai gelten als "Blut-Kanäle" und haben Einfluss auf den monatlichen Zyklus der Frau.
Der Chongmai leert sich in 28 Tagen und füllt sich nach Beendigung der Menses wieder langsam mit Blut, Qi und Jing. Wenn die Blutungen sehr stark sind, kann es passieren, dass die Blutmenge im Chongmai langsam abnimmt und der Energie-Kanal in Blut- und damit auch in Qi- und Jing-Leere gerät. Dieser Zustand kann zu Beschwerden am Herzen, zu Störungen im Blutkreislauf, chronischer Müdigkeit und Eisenmangel führen. Bei Frauen können u.a. Symptome wie Blut-Stagnation in der Gebärmutter bzw. gestörter Monats-Zyklus und Myome entstehen und es kann zu Unfruchtbarkeit führen. Der Chongmai gilt auch als wichtiger Energie-Kanal zum Transformieren der Sexual-Energie in feinstoffliche, kosmische Energie. Ein blutleerer Chongmai kann das Qi weder aufnehmen und halten noch transformieren. Denn ganz allgemein gilt: das Blut transportiert das Qi, und das Qi gibt dem Blut den Impuls zu fliessen.

Der Renmai oder Konzeptionsgefäß ist ein Yin-Meridian, er wird auch das "Meer des Yin" genannt, da er den gesamten Yin-Bereich im menschlichen Körper beeinflussen kann. Yin ist bekanntlich das Weibliche, Fliessende, Unbewusste, Innere, Intuitive, Nährende. Der Renmai ist von grosser Bedeutung besonders für Frauen, da er, wie auch der Chongmai, Menstruation, Schwangerschaft, Geburt und Menopause beeinflußt. Er beginnt am Damm und verläuft in der Mitte des vorderen Körpers hoch bis zum Kinn (Anm: die beschriebenen Verläufe der drei aussergewöhnlichen Gefäße sind als oberflächlich zu bezeichnen. Darüber- hinaus gibt es weiterführende innere Verläufe). Er entsteht jedoch in den Nieren. Das Konzeptionsgefäß verliert, nach Aussage des Qigong-Meisters Li Zhi Chang, während des 28-Tage Zyklus einer Frau nur die Hälfte seines Blutes (und Qi und Jing) im Gegensatz zum Chongmai, der sich ganz von Blut leert, und füllt sich auch schneller wieder auf.
Ein Qi-, Jing- und blutleerer oder geschwächter Renmai führt zu einer allgemeinen Yin-Schwäche und im speziellen zu einer Nieren-Yin-Schwäche, die sich folgendermaßen manifestieren kann: Störungen im Menstruations- Zyklus, Eierstockzysten, Myome, trockene Vagina und Haut und Haare (in der Menopause), schmerzende oder geschwollene Geschlechtsorgane, gestörtes Sexualverhalten, d.h. zu grosse sexuelle Begierde oder mangelnde Libido, Unfruchtbarkeit und Tumore im Unterleib.

Während der Schwangerschaft wirkt die Natur wie ein Wunder: Die Blutungen setzen aus. Chongmai und Renmai bewahren Blut, Qi und Jing und können damit wunderbar den Embryo ernähren. Blutungen während einer Schwangerschaft bedeuten immer eine Mangelernährung für den Embryo und eine Störung in den beiden Gefäßen. Hierbei sei erwähnt, dass die Frau nach der Menopause durch das Bewahren des Blutes auch das Qi und Jing stärken kann. Dies mag ein Grund dafür sein, dass Frauen über 50 erstarken, sowohl körperlich als auch als in der Persönlichkeit, und warum Frauen älter werden als Männer. Sie verlieren schlicht und einfach nach den Wechseljahren weniger Kraft, sprich Blut und Qi. Das Chan Mi Qigong stärkt besonders den Daimai, Renmai und Zhongmai

Das Chan Mi Qigong oder Geheimes Zen-Qigong, und damit sind alle Übungen dieser Schule gemeint, stärkt natürlich wie jede Qigong-Übung, den ganzen Körper, das gesamte Meridian- und Blutgefäß-Netz inklusiv dem Dumai, Lenkergefäß, das durch die Wirbelsäule verläuft, alle Gelenke, Organe, jede Zelle, aber in besonderer Weise stärkt es durch seine sanften, kreisenden Wirbelsäulen-Bewegungen denY in-Bereich und damit den weiblichen Anteil eines Menschen.

Selbstverständlich können auch Männer mit Begeisterung dieses Qigong praktizieren, und sie werden merken, wie sie ihrer "inneren Frau" näher kommen werden. Sie werden dann plötzlich sagen: "Hallo innere Frau, ich hab dich sehr vernachlässigt. Das tut mir sehr leid. Ich war immer nur der Mann hundertprozentig. Aber das wird sich jetzt ändern"..... Und vielleicht geht dann das Magengeschwür weg oder die Herzschmerzen oder die zur Schau getragene Härte. Es wäre nicht schlecht, wenn mehr Männer aus der Wirtschaft oder Politik oder im Alltag dieses "Sanfter Krieger"-Qigong“ machen würden. Es gibt eine Garantie: Es geht nichts von der Männlichkeit verloren!

Die Frau kann durch die Chan MiQigong-Übungen ihren weiblichen Anteil, d.h. ihre Weiblichkeit, stärken und mehr geniessen und läßt sie auch mit den nicht immer nur angenehmen Gegebenheiten wie z.B. Menstruation oder Menopause besser zurechtkommen und sie akzeptieren. Das Chan Mi Qigong wirkt zuerst auf körperlicher Ebene. Es läßt den Körper gesunden, läßt ihn beweglicher und geschmeidiger werden, die Gelenke werden besser mit Gelenksflüssigkeit versorgt, die Organe werden massiert (durch die Zustimmungspunkte der Organe im Blasen-Meridian seitlichen der Wirbelsäule) und die Energie-Kanäle werden durchlässiger und füllen sich auf mit Qi, Jing oder/und Blut. Nach und nach entstehen durch das Üben feinere Energien und ein sensibleres Gespür für einen selbst.

Die Bewegungen des Qigong sind weich und sinnlich und können tänzerisch verspielt oder sogar ekstatisch ausgeführt werden. Sie erinnern mich an die 6. Form beim Fliegenden Kranich, bei der das Qi die Bewegung angibt. Es ist ein Zustand des Sich-Hingebens, in dem nichts Bestimmtes gewollt oder erreicht werden soll. Es ist ein Zustand, in dem das Qi hand-in-hand mit dem inneren Lächeln seinen Weg des Heilens gehen kann.

Ich unterrichte seit 3 Jahren Chan Mi Qigong und hatte in der Zeit Frauen in meinen Chan Mi-Gruppen, die nach nur relativ kurzem Üben wohlige, sich ausbreitende Wärme (als Zeichen der Wirkung des Qi) und ein Prickeln und Pulsieren im Unterleib spürten, warme Füsse und Hände bekamen, deren Rücken-, Nacken-, Kopf- oder Migräne-Schmerzen verschwanden, bei denen sich die Periodenblutung regulierte, die ihre Schwangerschaft wundervoll erlebten und starke Kinder zur Welt brachten, deren Libido angeregt wurde (auch nach der Menopause), die sich innerlich aufrichteten und deren Selbstbewußtsein wuchs - Frauen, die einfach mehr Freude am Leben bekamen.

3 Jahre Erfahrung mit Frauen in den Chan Mi-Gruppen ist eine relativ kurze Zeit, um von allgemein gültigen Ergebnissen zu sprechen. Aber die, die mir vorliegen, sind sehr ermutigend und geben Anlass zu weiterer Beobachtung, Forschung und gegenseitigem Austausch mit meinen Kurzteilnehmerinnen und anderen Chan Mi Qigong-Lehrern. Ich habe an mir selber erfahren, dass meine Bewegungen weicher und sinnlicher und meine Gelenke beweglicher wurden, dass ich meinen Körper liebevoller, mit Freude und zärtlicher Achtsamkeit akzeptieren und lieben lernte. Es wurde für mich das Qigong für die Frau, für mich als Frau. Es wurde für mich eine Übung, der ich mich voller Vertrauen und Liebe hingeben kann.

 

[Lotusblüten QiGong mit Petra Hinterthür]

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